2004 entstanden Skulpturen im Rahmen des Internationalen Bildhauersymposions Steine ohne Grenzen, die auf dem Gelände des Kreiskrankenhauses in Bad Belzig und in der Stadt Brück ihre Heimat bekamen.

Steine ohne Grenzen ist Teil der Straße des Friedens - Straße der Skulpturen in Europa

 

Ankunft riesiger Sandsteinblöcke auf dem Gelände des neuen soziokulturellen Zentrums Bad Belzig 

10.Juni 2021 MOZ Bärbel Krämer. 
Bad Belzig wird ein Ort auf der Straße des Friedens Paris - Moskau. Schüler werden Skulpturen als sichtbares Zeichen für Frieden und Freiheit gestalten. 

Ein Tieflader und ein Kranfahrzeug steuern auf das Gelände der alten Geschwister-Scholl Schule. Doch werden die Fahrzeuge mit ihrer Ladung nicht von Bauarbeiten erwartet, sondern vom Bildhauer Rudolf Kaltenbach, seiner Lebensgefährtin Silvia Fohrer, von Gerd Pohl und Jens Gruska.

Als die schweren Sandsteinblöcke abgeladen wird, bleiben Menschen neugierig stehen. Eine Situation, wie sie in den kommenden Monaten sicher des Öfteren zu beobachten sein dürfte. Spätestens ab dem Zeitpunkt, wenn Schüler die Steine unter Anleitung von Kaltenbauch und Fohrer bearbeiten werden. Ende September/Anfang Oktober soll das Schülerprojekt starten. 


Die Stadt Bad Belzig wird ein Ort auf der Straße des Friedens Paris - Moskau

Gerd Pohl steht Erleichterung ins Gesicht geschrieben, als das Kranfahrzeug die vier Blöcke abgeladen hat. Einmal müssen sie noch bewegt werden. Zwar ist der Standort der Skulpturen, mit denen die Stadt Bad Belzig ein Ort auf der Straße des Friedens Paris - Moskau werden wird, gefunden. Doch ist die Gestaltung der Außenanlagen des soziokulturellen Zentrums noch nicht soweit vorangeschritten, dass sie an ihrem endgültigen Platz abgeladen und bearbeitet hätten werden können.

Gerd Pohl und das Belziger Forum haben Unterstützer und einen Ort zur Umsetzung gesucht

Angeschoben wurde das Projekt durch Gerd Pohl, der seit Jahren die Vision und Entwicklung der „Straße des Friedens“ verfolgt. In Zusammenarbeit mit dem Belziger Forum e.V. hatte er 2019 auch den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung angeregt, dass die Stadt der Charta der „Straße des Friedens“ beitritt. In den Monaten danach wurden Unterstützer für das Projekt gesucht, und ein Ort, an dem dasselbe verwirklicht werden kann. 

Die Wahl fiel auf das Areal des alten Schulstandorts und neuen soziokulturellen Zentrums, wo bereits 1866 auf Initiative des Pfarrers Albert Baur Schüler Friedenseichen pflanzten. Gerd Pohl erklärt, dass über das Projekt und die Skulpturen Schüler angeregt werden sollen, über die Bedeutung von Frieden und Freiheit nachzudenken. Angedacht ist, dass Schüler im Rahmen schulischer Projekttage die Sandsteinblöcke unter künstlerischer Anleitung bearbeiten. Der Bildhauer Rudolf Kaltenbach und seine Lebensgefährtin Silvia Fohrer haben seit über 20 Jahren Erfahrungen mit der Durchführung vergleichbarer Jugendprojekte, organisieren seit 2001 die Bildhauer-Symposien „Steine ohne Grenzen“. 


Otto Freundlich schuf einen Weg der Brüderlichkeit und der menschlichen Solidarität

Otto Freundlich, der Vater der „Straße des Friedens“, sah diese als einen Weg der Brüderlichkeit und der menschlichen Solidarität, als ein sichtbares Zeichen für die Abkehr von Krieg und menschlicher Gewalt sowie für das friedliche Zusammenleben der Nationen in Europa. Die Verwirklichung seiner Vision erlebte Freundlich nicht. Nach seiner Verhaftung im französischen Exil wurde er im Konzentrationslager Majdanek durch die Nazis ermordet.

Vision von Leo Kornbrust, Paul Schneider, vielen Initiativen in Europa wie die von Rudolf Kaltenbach und Silvia Fohrer weiter geführt

1971 griff der Künstler Leo Kornbrust die Vision wieder auf. Er entwickelte im St. Wendeler Land eine Straße der Skulpturen. Kornbrust führte die Idee der Friedensstraße - von der Normandie über Paris bis nach Moskau - weiter. Seinem Beispiel folgten der Maler und Bildhauer Paul Schneider mit der Skulpturenstraße „Steine an der Grenze“, das „Dillinger Stahlbildhauersymposion“ und die Berliner Künstler Rudolf Kaltenbach und Silvia Fohrer mit den Symposien „Steine ohne Grenzen“. 

 

Riesige Natursteine für die „Straße des Friedens“ in Bad Belzig

12. Oktober 2020 MOZ Bärbel Kraemer
Aus den Sandsteinen sollen Jugendliche im Rahmen des Projekts „Bad Belzig - ein Ort auf der Straße des Friedens Paris - Moskau“ Skulpturen erschaffen.

„Das ist die Gelegenheit, ein großes Zeichen zu setzen“, so Rudolf Kaltenbach während er auf dem Firmengelände von Rex-Granit in Brück zwei riesige Sandsteinquader betrachtet. Jeder dieser Steine ist gut zehn Tonnen schwer und soll der Kunst gewidmet werden.

Symbolische Steinübergabe

Mit dem Bildhauer aus Berlin stehen der Bad Belziger Gerd Pohl, der Lokale Koordinator des LAP für den Hohen Fläming, Florian Görner, und Rex-Granit Geschäftsführer Ewald Mattes im Rund - symbolisch soll der Sandstein übergeben werden, der im Frühjahr 2021 auf einer Freifläche vor dem künftigen soziokulturellen Zentrum an der Weitzgrunder Straße 4 in Bad Belzig aufgestellt wird. In Zusammenarbeit zwischen dem Berliner Bildhauer Rudolf Kaltenbach und seiner Lebensgefährtin Silvia Fohrer sollen Jugendliche im Rahmen des Projekts „Bad Belzig - ein Ort auf der Straße des Friedens Paris - Moskau“ daraus eine Skulptur erschaffen.

Das Künstlerpaar hat seit über 20 Jahren Erfahrungen mit der Durchführung vergleichbarer Jugendprojekte und organisieren seit 2001 die Bildhauer-Symposien „Steine ohne Grenzen“.

Bad Belziger Jugendprojekt

Über die Symposien sind der Künstler Kaltenbach und der Unternehmer Mattes wiederum einander bekannt. Über das Bad Belziger Jugendprojekt steht - weil das in Brück ansässige Unternehmen einen für die Arbeiten geeigneten Stein vorrätig hat - quasi eine neuerliche Zusammenarbeit an. Mit einer tonnenschweren Überraschung.


Förderung durch „Aktion Mensch“

Aber der Reihe nach. Dieser Tage wurde das Projekt, für welches Gerd Pohls Herz schlägt und für das er auch den Verein Belziger Forum e.V. gewinnen konnte, durch eine Zuwendung aus der „Aktion Mensch“ gefördert. Durch diese Zuwendung war es möglich geworden, bei Rex-Granit einen Sandsteinblock von gut zehn Tonnen zu kaufen, so dass die symbolische Steinübergabe vollzogen werden konnte.

Während Rudolf Kaltenbach die auf dem Gelände gelagerten Natursteine in Augenschein nahm, Gerd Pohl und Florian Görner in Gedanken über den Transport ihres Steinblocks nachdachten, stiftete Geschäftsführer Ewald Mattes einen weiteren Sandstein für das Projekt, damit möglichst viele Schüler und Jugendliche Gelegenheit haben, daran mitzuwirken. Zur großen Überraschung und zur Freude aller Anwesenden.

Frieden, Akzeptanz und Zusammenarbeit

„Die Jugendlichen aus unterschiedlichen Herkunftsländern sollen sich mit den Themen Frieden, Akzeptanz und Zusammenarbeit im Gegensatz zu Ausgrenzung, Ausbeutung, Vertreibung und Vernichtung künstlerisch auseinandersetzen und bildhauerisch an einem Sandstein ihre Vorstellungen erarbeiten“, erläutert Gerd Pohl. Die bildhauerischen Arbeiten der Schüler unter Regie des Künstlerpaares sollen dann am künftigen Standort erfolgen.

Ein dritter Naturstein

Nach eingehender Betrachtung durch Kaltenbach wurde einer der beiden Riesen später auch noch diagonal in zwei Hälften geteilt, sodass nunmehr insgesamt drei Natursteinquader für das Projekt bereit liegen.


„Mit der Stadtverwaltung und dem für die Freiflächenplanung zuständigen Büro Lange müssen wir kurzfristig klären, ob sich die drei Steine als Ensemble auf der Freifläche unterbringen lassen und wenn ja wo“, so Gerd Pohl voller Dankbarkeit. Seit mittlerweile sieben Jahren verfolgt er die Vision und Entwicklung der„Straße des Friedens“. Mit den angedachten Skulpturen wird Bad Belzig Teil derselben.

„Straße des Friedens“

Die Idee der Völker verbindenden Straße geht auf den deutsch-jüdischen Humanisten und Pazifisten, Maler und Bildhauer Otto Freundlich zurück. Letzterer entwickelte in den 1930er Jahren die „Straße der Skulpturen Paris-Moskau“ - als einen Weg der Brüderlichkeit und der menschlichen Solidarität, als ein sichtbares Zeichen für die Abkehr von Krieg und menschlicher Gewalt sowie für das friedliche Zusammenleben der Nationen in Europa. Die Verwirklichung seiner Vision erlebte Freundlich nicht. Nach seiner Verhaftung im französischen Exil wurde er im Konzentrationslager Majdanek durch die Nazis ermordet. 

Auszüge aus dem Gästebuch des Projektes: