Vorwort von Frau Richter, Förderkreis Roederhof
Mit den in die Sandsteine eingearbeiteten Rosen der "Auferstehung - Résurrection" entstand eine Brücke zu der Gedenkstätte für das KZ Roederhof, Außenlager vom KZ Ravensbrück in unserer Stadt. Ich war gern bereit, mit den beteiligten Schülerinnen und Schülern zur Gedenkstätte im Grünen Grund zu gehen und auch etwas über die Bedeutung dieser Rose und ihren Namen zu erzählen.
Trotzt des regnerischen Wetters am 29.9.2021 machten wir uns auf den Weg. Friedenstauben mit Thüster Kalksteinstaub wurden auf die Straße "gezaubert", zeigten den Weg zur Gedenkstätte.
In der Mitte vom Appellplatz, auf dem die Frauen vor und nach der 12-stündigen Arbeit bei jedem Wetter stundenlang stehen mussten, wurden 2 Friedenstauben gezeichnet.
Auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers sahen die Schülerinnen und Schüler noch einige Fundamentsteine für die "Wohn"unterkünfte und die winzige Bodenplatte der Waschbaracke.
Weiter ging es zur Stele an dem auf halber Wegstrecke gelegenen Geweihhaus in der Lübnitzer Straße. Hier konnte der Weg zwischen Lager und Munitionsfabrik, der täglich zwei Mal zu gehen war, nachvollzogen werden. Das von weitem sichtbare Geweih am Giebel des Hauses empfanden die Frauen als Zeichen der Hoffnung auf Freiheit, die symbolische Kraft wurde deutlich! Natürlich zeichneten die Jugendlichen auch vor der Stele 2 Friedenstauben.
Wir vom Förderkreis Roederhof werden das Projekt weiter begleiten. Wenn es uns gelingt, die in Frankreich von Gärtnerlehrlingen nachgezüchteten Rosen der „Auferstehung" zu erwerben, sollen sie das "Rosennetz der Versöhnung" auch mit der von Jugendlichen in unserer Stadt geschaffenen Sandsteinskulptur verknüpfen.
Wir werden den Frauen der Amicale de Ravensbrück davon berichten.
Danke schön allen Beteiligten.
Inge Richter
Förderkreis Roederhof
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Am Anfang die Idee - Bad Belzig ein Ort von Steine ohne Grenzen auf der „Straße des Friedens - Straße der Skulpturen in Europa“ im Sinn von Otto Freundlich.
Im Jahr 2004 werde ich von einem Belziger Bürger informiert, dass im Brücker REXGRANIT Werk bei dem von Rudolf Kaltenbach und Silvia Fohrer organisierten Symposium „Steine ohne Grenzen - VI“ Skulpturen von zehn KünstlerInnen aus Armenien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Polen, Portugal und Türkei geschaffen wurden, die seit der feierlichen Eröffnung am 10. Oktober 2004 (ich war dabei) in einer ständigen Ausstellung im Park des Bad Belziger Krankenhauses an der Niemegker Straße zu sehen sind. Ausgenommen ist die Skulptur von Rudolf Kaltenbach, die in Brück beim Rathaus der Stadt aufgestellt ist. Sieben Jahre später lese ich in der Berliner Zeitung vom 31.10.2011, dass der Kunstkurator der Stadt Bernau die Bildhauer Rudolf Kaltenbach und Silvia Fohrer in die Stadt geholt hat. Unter ihrer Leitung sollen beim Symposium „Steine ohne Grenzen - VIII“ sieben Künstler aus Großbritannien, Russland, Polen, Österreich, Slowakei und Deutschland einen Monat lang gemeinsam ihre künstlerischen Vorstellungen von Frieden und Toleranz in Stein meißeln. Eine achte Skulptur sollen SchülerInnen des Paulus-Praetorius-Gymnasiums und des Barnim Gymnasiumsaus Sandstein erarbeiten, auf Anregung vom künstlerischen Leiter Rudolf J. Kaltenbach, die Arbeit mit den Jugendlichen unterscheidet das Symposium von anderen. „Es war uns wichtig, dass auch junge Leute aus unserer Stadt an diesem so wichtigen Projekt mitarbeiten“, hieß es aus dem Bernauer Kulturamt. Die Kunstwerke wurden von der Stadt Bernau im Stadtpark aufgestellt und die Stadt Bernau war damit einer der Orte auf der Straße des Friedens, da sich das Projekt Steine ohne Grenzen am 7.09.2012 in die Straße des Friedens einreiht. Verlauf der Straße des Friedens im Jahr 2011 (lt. Berliner Zeitung vom 31.10. 2011) Weiterhin studiere ich das von dem Verein „Straße des Friedens e.V.“ aus dem Saarland zugesandte Informationsmaterial. Die Idee einer Völker verbindenden "Straße der Skulpturen Paris-Moskau" (französischer Original-Name: "Une voie de la fraternité et solidarité humaine") hatte der deutsch-jüdische Künstler und Pazifist Otto Freundlich in den 1930er Jahren; ein sichtbares Zeichen für die Abkehr von Krieg und menschlicher Gewalt sowie für das friedliche Zusammenleben von unterschiedlichen Nationen. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und der Tatsache, dass seine Kunstwerke von den Nazis seit 1937 als "entartet“ diffamiert waren, wurde er nach der Flucht aus seiner Wahlheimat Paris in die Pyrenäen dort entdeckt, gefangen genommen und nach Polen deportiert, wo er am 9. März 1943 im deutschen KZ Lublin-Majdanek oder, nach neuesten Forschungen, Sobibor ermordet wurde. Er konnte seine Idee nicht mehr in die Wirklichkeit umsetzen. Seine Lebensgefährtin Jean-Kosnick-Kloss trug den gemeinsamen Gedanken weiter in die Welt. 1971 hat der Bildhauer und Kunstprofessor Leo Kornbrust die Idee von Otto Freundlich aufgegriffen und in Erinnerung an ihn damit begonnen, zusammen mit anderen Künstlerinnen und Künstlern Skulpturen in der freien Landschaft zu erarbeiten. Dieses Vorhaben hat sich im Laufe der Jahre zu einem Projekt von internationaler Bedeutung entwickelt. Ziel ist, eine durchgehenden „Kette“ von Skulpturen, die von der normannischen Küste in Frankreich bis nach Russland verlaufen soll, als unübersehbares und lebendiges Zeichen des friedlichen Zusammenlebens der Völker Europas zu schaffen. Ich bin beeindruckt von der Idee einer Skulpturenstraße quer durch Europa. Auch das Schicksal von Otto Freundlich bewegt mich im Hinblick auf seine in der Literatur veröffentlichten Kunstwerke.
Einen neuen Aufschwung erfährt das Projekt im Juni 2018. Einen Tag vor der jährlichen Gedenkveranstaltung im Grünen Grund wird im Bad Belziger Hofgarten Kino am 2. Mai um 17.30 Uhr ein Livemitschnitt des im Niemegker Kulturhaus aufgeführten Bühnenstücks „Das rote Tuch“ gezeigt. Im Anschluss an die Filmvorführung kommen Publikum, die Regisseurin Julia Strehler und einige der Schauspielerinnen miteinander ins Gespräch. Das Publikum spricht den Akteurinnen Lob und Anerkennung für ihren Mut und die inhaltliche Darstellung aus. Es gibt Frauen im Zuschauerraum, die sehr bewegende Erinnerungen an das eigene persönlich erlebte Ende des 2. Weltkrieges schildern. Bühnenstück und Meinungsaustausch bringen Licht und Verständnis in eine dunkle Seite der Geschichte von Bad Belzig. Nach der Filmvorführung lerne ich über den Umweg der LAG Fläming-Havel Florian Görner kennen. Dieser ist als Koordinator der „Partnerschaft für Demokratie Hoher Fläming“ (kurz: PfD Hoher Fläming) in Bad Belzig tätig und nicht nur für Demokratieförderung und Jugendbeteiligung zuständig, sondern sucht auch auf der Suche nach neuen Wegen einer angemessenen Gedenkkultur für die Zeit, in der die unmittelbaren Zeitzeugen von Krieg und NS-Verbrechen verstorben sein würden.
Gerd Pohl
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Am 7. Oktober 2020 sind uns auf dem Gelände von Fa. REXGRANIT in Brück/Linthe die zwei angebotenen Steine zum ersten Mal zu Gesicht gekommen. Nachdem Rudolf Kaltenbach und Herr Mattes vorschlugen, den ersten Stein diagonal senkrecht zu schneiden, so dass zwei Steine mit jeweils dreieckigem Grundriss entstehen würden, während der zweite Stein nach einem Horizontal- oder Vertikalschnitt als rechteckiger Kubus verbleiben würde, aktualisierten wir das Gesamtkonzept. Die Kosten der beiden Stein-Schnitte mit der Seilsäge wollte Fa. REXGRANIT übernehmen. Die Firma stellte einen Stein in Rechnung mit 10 Tonnen, den zweiten Stein mit 11 Tonnen gab es in Form von einem Sponsoring für Steine ohne Grenzen in Bad Belzig. Trotz Bedenken hinsichtlich der Einbeziehung von nunmehr drei Steinen in die laufende Planung der Außenbereichsgestaltung nehmen wir das Angebot an. Wegen des anstehenden Winters und der bei Minusgraden nicht nutzbaren, weil wassergeschmierten Seilsäge, sollte das Votum der Stadtverwaltung zu den drei Steinen spätestens nach vier Wochen vorliegen. Und wegen der bei REXGRANIT anstehenden Betriebsveränderung sollten die drei Steine bis zum 15.03.2021 aus dem Lager abgeholt sein. Umgehend informierten wir die Stadtverwaltung und baten um eine Aussage, ob von dort die drei Steine anstelle des bisher einen Steines akzeptiert werden und wie der Zeitplan zu gestalten ist. Deshalb gab es am 11.11.2020 zunächst eine Information im Rahmen einer Begehung des Geländes und am 17.11. 2020 erfuhren wir im Gespräch mit Bürgermeister Roland Leisegang und seinem Stellvertreter Robert Wildgrube, dass die Außenanlagenplanung in der nötigen Planreife frühestens im März / April 2021 vorliegen würde. Vorher könnte von der Stadtverwaltung eine Teilfläche für drei Steine nicht zugesagt werden, also auch nicht dazu, dass auf einer Teilfläche die Außenbereichsgestaltung zurückgestellt würde, damit die Jugendlichen an den Sandsteinen arbeiten könnten, ohne mit den Arbeiten der Außenbereichsgestaltung zu kollidieren. Wir ersuchten Klarheit mit einer schriftlichen Eingabe bei der Sitzung Sozialausschuss am 23.11.2020. Hier wurde der Kompromiss angesprochen, die Steine zunächst auf einer Ausweichfläche, z.B. dem Turnplatz abzusetzen, zu gestalten und dann später auf die fertige Außenfläche umzusetzen. Eine zweite Umsetzung hätte unser Budget überschritten. Trotzdem suchten auch wir nach alternativen Flächen für das Zwischenlager, z.B. vor der Puschkin-Turnhalle oder auf der ehemaligen Eisbahn, für den Fall dass die Steine bis zum 15.3. Brück verlassen mussten. Da wir wünschten, an dem Standort ohne Zwischenlösung festhalten zu können, gab es bei der SVV am 14.12.2020 im Rahmen der Einwohnerfragestunde unseren Redebeitrag mit der Bitte, dass das Planungsbüro eine Teilfläche festlegen möge.
Am 11. Februar 2021 gab es das klärende Projektgespräch im großen Ratssaal, zu dem auch die Bildhauer Rudolf Kaltenbach und Silvia Fohrer eingeladen waren. Die Stadtverwaltung war vertreten durch Bürgermeister Roland Leisegang, Herrn Robert Wildgrube, Frau Christine Stephan, Herr Gunnar Lange vom Büro für Landschaftsplanung. Die Projektgruppe war vertreten durch Frau Annie-May Rex (zuständig für interkulturelle Projektarbeit im Belziger Forum e.V.), Florian Görner für den Förderer PfD und Herrn Gerd Pohl als Initiator des Projektes. Es wurde festgestellt, dass die drei Steine am östlichen Rand des Grundstücks platziert werden können, weil sie dort die Außenbereichsarbeiten am wenigsten behindern bzw. von ihnen betroffen sein würden. Weiterhin wurde geklärt, dass die Steine noch bis Mai 2021 auf dem Lagerplatz von REXGRANIT verbleiben könnten. Das passte gut, da Annie-May Rex durch die beiden weiterführenden Schulen inzwischen informiert war, dass der Projektbeginn coronabedingt von Mai/Juni auf September/ Oktober verschoben werden müsste. Nun galt es nur noch den Zuschnitt der Standortfläche zu fixieren und die Frage zu klären, welchen Unterbau die Steine benötigen. Dazu war lt. Aktennotiz von Planer Lange vom 22.2.21 Nr. 3.3 eine Baugrunduntersuchung durch Rammkernsondierung und ein Votum des Statikers nötig. Rudolf Kaltenbach entschied, die beiden kubisch geschnittenen Steinhälften mit horizontal liegenden Schnittflächen um 90 Grad verdreht über einander zu setzen. Der Stein konnte der Stein am 31.5. geschnitten werden. Am 2.6. hat wir das Angebot von Herrn Uwe Tarrach von MKD auf dem Tisch und am 3.6. erteilten wir den Auftrag, entsprechend fernmündlichem Angebot, die Steine bei REXGRANIT am 4.6. um 7 Uhr mit zwei Tiefladern abzuholen und mit dem Kran um 8 Uhr auf dem Grundstück zu sein. Unsere Enttäuschung darüber, dass der endgültige Standort der Jugendskulptur noch nicht hergerichtet ist, ist der Freude darüber gewichen, dass wir die Steine seit dem 4. Juni 2021 auf dem Grundstück liegen haben. Wir konnten dankbar sein: Ewald Mattes dafür, dass er uns eine längere Lagerzeit gewährt hat, Gunnar Lange für die Zuweisung eines Zwischenlagers, auf dem die Steine möglicherweise sogar bearbeitet werden müssten, wenn der endgültige Standort der Jugendskulptur noch nicht hergerichtet sein würde. Wir konnten auch Frau Stephan dankbar sein für ihr Vertrauen, uns kurzfristig die Schlüssel zum Grundstück gegeben zu haben, damit es von Kran und Tiefladern befahren werden konnte. Am 26. August 2021 bekamen wir von der Stadtverwaltung den Außenbereichsplan, in dem der endgültige Standort der Skulptur nach Zuschnitt und Lage auf dem Grundstück und seinem Unterbau definiert war. Vier Stunden waren nötig, die vier Sandsteine vom westlichen Rand des Grundstücks über die Distanz von etwa 80 m an den östlichen Rand zu versetzen; dabei mussten die Steine zuletzt auch noch bis in die Höhe von etwa 25 m über die noch vorhandene Friedenseiche gehoben werden. Rudolf Kaltenbach hat dem Kranführer gesagt, zuerst die beiden kubischen Hälften übereinander zu setzen und wo die zwei Steine mit dreieckigem Grundriss auf der Standortfläche platziert werden sollten.
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27.09.2021. Die Jugendlichen waren durch die Informationsveranstaltungen, die sie in der Schule mit den Lehrerinnen und Lehrern hatten, motiviert, an der Gestaltung der großen Sandsteine mitzumachen. Der Verein Belziger Forum e.V. stellte auf dem Platz die notwendigen Rahmenbedingungen, Zelt, Tische und Verpflegung, wie auch einen abschließbaren Anhänger zur Verfügung. Der Künstler Rudolf J. Kaltenbach brachte sein eigenes Werkzeug, welches er speziell für die Jugendprojekte bereithält, aus seinem Atelier Berlin mit. Somit standen Werkzeuge wie Knüpfel, Spitz-Zahn-Flacheisen und Korundschleifsteine zur Verfügung. Ebenso sorgten wir für die notwendigen Sicherheitsutensilien, wie Schutzbrillen und Handschuhe.
In einem Vorgespräch vor Ort wurden die Jugendlichen über die Inhalte des Projektes informiert. Otto Freundlich und sein Leben, thematisiert wurde auch die Geschichte der Stadt Bad Belzig in der Zeit des menschenverachtenden Nationalsozialismus. Die Jugendlichen hatten bereits durch die Informationsarbeit des Förderkreises Roederhof gute Kenntnisse und fanden sich schnell in das doch schwere Thema ein.
In den darauf folgenden Stunden entwickelten sie unter Anleitung des Bildhauers eigene Ideen zur Gestaltung auf Papier. Diese wurden gesammelt und daraus ein Ergebnis ermittelt.
Die Entscheidung fiel dann dahingehend, die Not der Menschen darzustellen, die in der damaligen Zeit unter den schwierigen Bedingungen leben mussten.
Die Werkzeuge wurden beschrieben, der Stein und seine Herkunft, sein Alter und geologischen Einzigartigkeiten. Die einzelnen Abschnitte der Gestaltungsflächen wurden festgelegt, besonders dahingehend, einzelne Zonen frei zu lassen, Raum zu geben und dann wieder verdichtet das Detail zuzulassen.
Darstellung. Die tägliche unsagbare Tortur der Menschen auf dem Weg durch Bad Belzig zur Zwangsarbeit und zurück, den die Machthaber ihnen auftrugen, wurde an einem Sandstein durch
Fußabdrücke
gestaltet, eine gesamte Steinfläche mit Händen als Zeuge dessen, was der Mensch in die Tat umsetzt.
Hände
"sind nie leer, die sich wirklich reichen" Zitat: Rainer Maria Rilke
Die Schüler setzten sich aktiv mit dem Friedensgedanken auseinander, so entstand der Stein
Krieg und Frieden
eine Seite stellt die vernichtenden Geschosse in einer militärischen Auseinandersetzung dar. Die andere Seite zeigt zwei sich begegnende Friedenstauben, Symbol für Liebe und Frieden auf der Welt. Das Motiv fand auch im nächsten Stein Widerklang, in Stein gemeißelt von einem geflüchteten Jugendlichen aus Tschetschenien.
Daneben ein Zeichen für Frieden, das
Peace-Zeichen
Während der gesamten Zeit am Stein kamen die Eltern einzelner Jugendlichen und Lehrerinnen wie Lehrer der Schulen, der Rektor der Krause-Tschetschog-Oberschule , um den Fortgang und den Fleiß der Schülerinnen und Schüler, die Gestaltung, den Prozess des Werkes zu betrachten und zu würdigen. Sie waren begeistert und vielleicht auch von einigen Vor-urteilen befreit. Dazu gab es Grund. Die Jugendlichen entwickelten sich zu wirklichen kleinen "Bildhauerinnen und Bildhauern". Die ersten Ergebnisse waren auch für sie selbst überzeugend und motivierend.
Der Lehrplan der Schulen ließ einen gewissen Freiraum, der vollständig ausgefüllt wurde. Diejenigen, die zeitweise nicht am Stein arbeiteten, bemühten sich um Texte, die das Leben von Otto Freundlich darstellten, um dies später in das Projekt einzugeben. Es entstand Bleibendes in der relativ kurzen Werkzeit am Millionen Jahre alten Gestein. Zum Einen die Skulptur an sich, die verschiedenen Facetten des Themas, dessen heutige Aktualität nicht zu vergessen. Und zum Anderen für die Jugendlichen ein nachhaltiger Eindruck ihres persönlichen Könnens, ihrer Befähigung, etwas zu schaffen in einer Gemeinschaft, was auch nachfolgende Generationen noch sehen können. Denn, was im Stein gehauen ist, wird bleiben.
Mir sagte ein Junge während des Projektes: Schauen Sie einmal, was ich hier mache, das möchte ich gerne später einmal meinen Kindern zeigen, wenn ich groß bin und erwachsen. Darum mache ich es so gut wie ich es kann.
S. Fohrer
Fest des Friedens am Tag der Einheit 3.10. 2021
Das Projekt "Bad Belzig - ein Ort von Steine ohne Grenzen - Straße des
Friedens - Straße der Skulpturen in Europa" hat uns angeregt, in unserer Stadt auf dem Marktplatz ein Interkulturelles Fest des Friedens zu veranstalten. Als Koordinatorin für interkulturelle Arbeit in den Planregionen 3 und 4 des Landkreises Potsdam- Mittelmark habe ich das Fest mit Unterstützung von HelferInnen des Belziger Forum e.V. organisiert. Die Stadt Bad Belzig in Kooperation mit Demokratie leben! Hoher Fläming hat uns über die
Integrationspauschale finanzielle Hilfe gewährt.
Frieden ist ein Thema, das uns alle jeden Tag und nicht nur am Tag der Einheit 3. Oktober angeht und welches ebenso alle Menschen benötigt, die sich um Frieden bemühen und für diesen einstehen. Bei dem Fest am 3.10. ging es darum, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen für Menschen in dieser Region, ob jung und alt, mit oder ohne Migrationsgeschichte.
Dolus Mutombo mit seiner Band Bena Kwetu aus Leipzig hat das Publikum mit großem Können und internationalem Spektrum musikalisch wunderbar unterhalten und gezeigt, wie Brücken zwischen den Kulturen entstehen.
Ein weiterer Unterhaltungsprogrammpunkt war ein Flashmob in Kooperation mit den Bad Belziger Tanzvereinen.
Für die Kleinsten gab es Kinderschminken und Bemalen von Kieselsteinen.
Essensstände haben das Publikum mit alkoholfreien Getränken und verschiedensten, auch nahöstlichen und vegetarischen Gerichten versorgt. An einem Stand konnten Kaffeekreationen genossen werden.
Steine ohne Grenzen e.V. und Demokratie leben! Hoher Fläming hatten ihre Infostände, an denen das Publikum über Projekte informiert wurde und sich über Ideen zur Demokratieförderung austauschen konnte. Die Antworten auf Fragen, was uns Frieden bedeutet und was er braucht, wurden zahlreich auf den von Steine ohne Grenzen e.V. mitgebrachten verschiedenen Natursteinplatten in Worten und Bildern festgehalten.
Ich war zufrieden und dankbar, dass das Fest in der Zeit von 14 Uhr – 18.30 Uhr mit etwa 300 BesucherInnen einen guten Zuspruch hatte und stimmungsvoll, schön und friedlich verlief.
Annie-May Rex
Koordinatorin für interkulturelle Arbeit im Belziger Forum e.V.
Website "der Winkel" Belziger Forum
An einer, mit der Seilsäge geschnittenen Seite des Blocks machte sich eine Gruppe des Projektes auf, den Satz von Otto Freundlich aus dem
1. Weltkriegsjahr 1916 in Stein zu meißeln:
"Je ungeistiger, brutaler die Gegenwart, desto Geistigeres, Feineres muß man tun, das ist Starksein."
Auf der, mit Frau Richter geführten Begehung zum KZ Außenlager Roederhof, trafen wir auf das Symbol der Rose der Auferstehung, was uns Bildhauer und auch die Jugendlichen besonders beeindruckte. Somit besprachen wir die Umsetzung der
Rose der Auferstehung "Résurrection"
in den Sandstein und die Jugendlichen gingen mit all ihrer Kraft daran, dies in der zur Verfügung stehenden Zeit zu realisieren. Wie die Planung immer wieder auf den Prüfstand gehört, so ist ein neuer Inpuls durch eine dazugekommene Sehweise eine prägnante Erweiterung, die dem gesamten Projekt weitere Schubkraft gibt. Vier Rosen sind nun eingearbeitet, auf zwei Sandsteinen. Gerade in den Morgenstunden, wenn das Licht der aufgehenden Sonne durch die Bäume lugt und sich die Schatten in den Meißelspuren verdichten, leuchtet diese Symbolik wie aus tiefem Herzen heraus, was uns Kinder damit sagen möchten: Nie wieder Krieg!
Steinstaubstreuungen
beim Gedenkrundgang im Grünen Grund und am Bildhauerplatz dokumentierten Friedens-Symbole in einer vergänglichen Form. Dazu wurde mineralischer Steinstaub, der beim Arbeiten anfällt (hier Thüster Kalkstein) über Schablonen "Tauben" auf dem Wegen zum KZ Außenlager Roederhof und an den Gedenkorten im Grünen Grund von den Jugendlichen gestreut.
Ein Weg führt direkt zum Skulpturenort bis vor die Skulptur auf deren Seite die beiden Friedenstauben eingemeißelt worden sind. Auf dem Boden davor spiegeln sie sich als Gesteins-Staubsymbole. Damit wurde die Beständigkeit und Vergänglichkeit dokumentiert.
Zeitkapseln
am 5.-6.-7.10.2021. Die Jugendlichen wurden von uns gebeten, kurze Texte aufzuschreiben, die ihre Meinung zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit beinhalten. Diese Texte, der Lebenslauf von Otto Freundlich und der aktuelle MAZ-Pressebericht über das Projekt wurden dann in Bohrlöcher vom Abbau des Steines im Steinbruch eingelassen und mit Granit-Bohrkernen endgültig verschlossen. Die Granite stammen aus allen Regionen der Erde. Mitgemacht haben bei dieser Aktion auch die Lehrkräfte der Schulen, die Eltern der Schüler und Florian Görner, Jens Gruszka sowie Gerd Pohl. Das Vorgehen und die Bedeutung dieser Aktion wurden von uns ausführlich erklärt und der Bezug zu Zeitkapseln in Grundsteinlegungen oder in Kirchentürmen hergestellt.
S. Fohrer
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In Ravensbrück blühten die ersten Rosen der Auferstehung bereits zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ im vergangenen Jahr. Von dort aus wurden weitere Stecklinge in die Außenlager des Frauen-KZ Ravensbrück - und damit nach Bad Belzig - geschickt. Damit sie auch in der Kur- und Kreisstadt einen würdigen Platz erhalten und mit ihrer Blüte in jedem Jahr an die Menschen erinnern, die im Lager starben und an die, die das Martyrium des Zweiten Weltkrieges überlebten. Die Rosen der Auferstehung sollen so zu einem verbindenden Symbol der Trauer und des Gedenkens werden. Quelle: MOZ, 2016
Die Geschichte der Rose von Ravensbrück beginnt in Lidice. Das war ein kleines Dorf in Tschechien, in dem die faschistischen Okkupanten eine brutale Vergeltungsaktion für ein Attentat tschechischer Widerstandskämpfer auf Reinhard Heydrich durchführten.*
199 männliche Einwohner im Alter über 15 Jahre wurden erschossen, 184 Frauen und Mädchen wurden im Juni 1942 in Viehwaggons nach Ravensbrück deportiert, 79 Kinder wurden in das Ghetto Lodz deportiert und später ermordet, vermutlich in Chelmno. 8 Kinder waren als „eindeutschungsfähig“ angesehen und in deutsche Familien gegeben worden.
Nachdem Lidice zerstört worden war, wurde das Gelände eingeebnet. Sieben Tage später wurde auch die Ortschaft Lesaky zerstört, ihre Bewohner wurden ermordet oder verschleppt.
Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Ravensbrück durch die Rote Armee kehrten 143 der Frauen aus Lidice in ihre Heimat zurück.
Mit der Losung der britischen Solidaritätskampagne „Lidice Shall Live“ war bereits ab 1942, unmittelbar nach der Zerstörung des Ortes, Geld für den Wiederaufbau gesammelt worden. Nach dem Wiederaufbau des von den Deutschen zerstörten Dorfes Lidice, wurde zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, am 19. Juni 1955, der Rosengarten in Lidice eingeweiht. Die meisten Rosen wurden aus England gespendet. 32.000 Pfund waren in Stoke-on-Trent für den Wiederaufbau des Ortes und die Anlage des Gartens gesandt worden.
Am 11. April 1958, anlässlich des Internationalen Befreiungstages, besuchten ehemalige Häftlinge aus Lidice Ravensbrück, um das Massengrab an der Lagermauer eigenhändig mit 150 Rosen zu bepflanzen. Im Jahr 1973 initiierte Marcelle Dudach-Roset, Mitglied der „Amicale de Ravensbrück“ (Frankreich), die Züchtung einer Ravensbrück-Rose mit dem Namen „Résurrection“ (Auferstehung). Französinnen, die in der Resistance engagiert gewesen waren, wünschten ein Symbol, das ihrem politischen Kampf und ihren Deportationserfahrungen zu größerer Sichtbarkeit verhelfen würde. Quelle: IRK - CIR Internationales Ravensbrück Komitee
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Unseren ursprünglichen Plan über die zeitliche Abfolge des Bildhauerworkshops mussten wir infolge Corona bedingter Fehlzeiten in den Schulen aufgeben. Wir konnten mit den zwei weiterführenden Schulen (Krause-Tschetschog-Oberschule (K-T-O) und Fläming Gymnasium (FG)) in Bad Belzig verabreden, dass Jugendliche der K-T-O vom 24.9. bis 1.10. und vom FG vom 4. bis 8.10 freiwillig am Workshop teilnehmen könnten, sofern sie bereit waren, neue Erfahrungen anzunehmen.
Mit acht Schülern bin ich am 29.09.2021 um 10.30 Uhr auf dem Gertraudenfriedhof zunächst zum Grab von Albert Baur (Friedenseichen) dann zu der Gedenkbegräbnisstätte der etwa 150 Frauen und Kinder, die im Belziger KZ-Außenlager Ravensbrück ums Leben gekommen sind. Von dort führte ich die Jugendlichen zum Skulpturenpark von Steine ohne Grenzen im Krankenhausgelände und habe auf einzelne Skulpturen des dortigen Internationalen Bildhauer-Symposions 2004 hingewiesen.
Gerd Pohl
Es nahmen insgesamt 32 Schülerinnen und Schüler teil. Die Jugendlichen waren zwischen etwa 14 bis 16 Jahre alt, die 25 Jugendlichen von der K-T-O, waren jeweils zur Hälfte weiblich und männlich, ca. 30 % mit Migrationshintergrund und die 7 Jugendlichen vom FG waren männlich, einer mit Migrationshintergrund. Das Projekt dauerte insgesamt 9 Tage inklusive einem Tag Gedenkrundgang im Grünen Grund.
Am 3.10.2021 wurde auf dem Rathausplatz das Friedensfest für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bad Belzig veranstaltet. Das Projekt wurde vorgestellt und Informationen dazu verteilt.
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Dokumentation und die Ausstellung über jüdisches Leben in der Region
Im Jahr 2018 wurde ab August für drei Monate eine vielbeachtete Ausstellung in der Bad Belziger Marienkirche gezeigt. Mit Unterstützung vom Belziger Forum e.V. hatte eine achtköpfige Gruppe unter Leitung von Benjamin Stamer und Wolf Thieme mehr als 2 Jahre zur Thematik "Jüdisches Leben in der Region Belzig 1933 bis 1945" geforscht. Mit den dabei entstandenen Informationstafeln, Fotografien, Textbausteinen und anderen historischen Dokumenten konnte ehemaligen jüdischen Mitbürgern der Region ein Teil ihrer Identität zurückgegeben werden.
„Das rote Tuch“ – Theaterstück, in dem menschliches Verhalten zukunftsweisend thematisiert wird
Im Jahr 2007 begannen 17 Frauen aus der Region Hoher Fläming zwei Jahre lang intensiv zu den Ereignissen im KZ Ravensbrück und seinem Belziger Außenlager zu recherchieren. Sie besuchten Ausstellungen, beschäftigten sich mit den Büchern Victor Frankls, lasen die von Gerhard Dorbritz zusammengetragenen Berichte ehemaliger Insassinnen und die Profile der Täterinnen aus Belzig sowie die Interviews mit ehemaligen Insassinnen aus Ravensbrück und gingen immer wieder selbst in die szenische Improvisation mit den Fragen: Wie hätte ich mich im Nationalsozialismus verhalten? Wäre ich Täterin geworden? Hätte ich Widerstand geleistet? Wer wäre ich gewesen in diesem Regime?
Im Jahr 2008 ist aus dem erarbeiteten Material unter der Regie von Julia Strehler und der Dramaturgie von Kerstin Henseke das 95 Minuten lange Bühnenstück „Das rote Tuch“ entstanden, das im Jahr 2009 in Niemegk aufgeführt wurde, ein Videomitschnitt ist 2018 im Bad Belziger Hofgarten aufgeführt worden und auf you tube abrufbar: Das Rote Tuch (aussenlager-roederhof.de).Das Stück konzentriert sich im Kern auf die 16 Tage, in denen die aus Belgien stammende Marie-Louise del Marmol (im Stück Marie de la Mere) im Belziger Lager lebte, bevor sie ermordet wurde. Sie war die Frau eines bekannten belgischen Widerstandskämpfers und wurde an seiner Stelle in Geiselhaft genommen. Sie kam zunächst nach Ravensbrück und dann in einem Transport weiter nach Belzig. Die Mitinsassinnen haben sich später vielfach an sie erinnert, weil sie ihnen Kraft und Hoffnung vermittelt hat. Sie bewunderten sie für ihre würdevolle Haltung und das Licht, das sie noch in ihren dunkelsten Stunden unter ihnen zu verbreiten wusste.
Jörg Giese von der MAZ schrieb zu dem Stück (zit. nach Filmvorführung des Videomitschnitts des Theaterstücks „Das Rote Tuch“ (roederhof-belzig.de):
„Die Regisseurin hat zusammen mit ihren 17 Mitwirkenden bemerkenswert komplexe Charaktere geschaffen. Die Inszenierung entgeht der Versuchung, die Insassen als Heilige und die Aufseherinnen der SS als Dämonen darzustellen. Alle Figuren sind Menschen, widersprüchlich und vielschichtig. Wie jeder von uns. Das macht diese Inszenierung so beunruhigend.“
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Rede „Wie Belzig überlebte“ von Prof. Götz Dieckmann vom 4.05. 2014 anl. des Gedenkens zur kampflosen Übergabe der Stadt durch Artur Krause und Erich Tschetschog (gekürzt aus „Schicks., Teil 3“)
Meine Damen und Herren, liebe Schüler!
Wir haben uns auf dem Gelände des ehemaligen Frauen-KZ-Außenlagers versammelt, um die Opfer zu ehren und an die kampflose Übergabe unserer Stadt vor neunundsechzig Jahren zu erinnern. Die dramatischen Geschehnisse der ersten Maitage des Jahres 1945 sind - vor allem dank verdienstvoller Publikationen von Gerhard Dorbritz - sehr gut dokumentiert. Um jedoch zu verstehen, wie sehr die Existenz unserer Stadt damals buchstäblich am seidenen Faden hing, ist es geboten, auch die Lage in den Wochen zuvor ins Blickfeld zu rücken. Als Historiker möchte ich unterstreichen: Die Geschicke unserer Stadt und ihres Umlands waren stets mit der nationalen Geschichte verknüpft. Doch Belzig und der Hohe Fläming haben darüber hinaus mehrmals einen Platz in weltgeschichtlichen Darstellungen gefunden. unsere Heimat gehörte zum Ursprungsterritorium der Reformation. Die Schlacht von Hagelberg spielte 1813 im Vorfeld der Völkerschlacht bei Leipzig eine Rolle, vor allem deshalb, weil sie den militärischen Wert der preußischen Landwehr eindrucksvoll bestätigte. Und schließlich erfasste der Atem der Weltgeschichte Belzig in jenem Frühjahr 1945 – und er hat sie keineswegs nur gestreift. Beginnen wir mit einer Tatsache, die damals keinem Bürger unserer Stadt bekannt war: Am 1. April 1945 beschloss in Moskau das Oberkommando der sowjetischen Streitkräfte, die ,,Berliner Operation“ vorzuverlegen. Marschall Shukows I. Belorussische Front sollte von Küstrin aus direkt auf Berlin vorgehen. Für die I. Ukrainische Front unter dem Befehl des Marschalls Konew wurde als Richtung ihres Hauptschlages die Linie Spremberg – Belzig festgelegt. Es gilt also der Frage nachzugehen wieso Strategen im fernen Moskau ausgerechnet die kleine Stadt Belzig, nicht etwa Dessau, Magdeburg oder Brandenburg, als Zielpunkt einer so mächtigen Offensive bestimmten. (…) Belzig als strategischer Zielpunkt wurde auch deshalb festgelegt, weil mit seiner Einnahme sowohl die Autobahn Berlin-München als auch die sogenannte ,,Kanonenbahn“ abgeschnitten würden. Das waren die wichtigsten Transportstränge, über die Wehrmacht und SS noch verfügten. Und es kam ein dritter gewichtiger Faktor hinzu: Belzig, der Hagelberg und Wiesenburg waren in den letzten Kriegsjahren ein Zentrum der Nachrichtenübermittlung Nazideutschlands. Das betraf zum einen die Funk--und Empfangsanlagen bei der Kreisstadt. Die Abteilung Ausland / Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht verfügte zwar ursprünglich über eine weitere derart leistungsfähige Funkanlage zur weltweiten Verbindung mit Auslandsagenten und Schiffen auf den Weltmeeren. Diese, in Wohldorf bei Hamburg, befand sich im April 1945 jedoch Im Visier der Briten. Der wichtigste noch verfügbare Funkstandort dieser Reichweite war somit Belzig. (…) Doch es ging nicht nur um diese Funkanlage. Auf dem Hagelberg stand zudem eine Umsetzerstation des drahtlosen telefonischen Verbindungsnetzes der Wehrmacht. Und noch ein weiterer Punkt ist zu erwähnen: Deutschland verfügte damals auch über ein hochmodernes Netz unterirdischer Telefonkabel. Dessen äußere Ringleitung um Berlin und die Trasse Berlin- München kreuzten sich unweit unserer Stadt.
Bad Belzig wäre aus meiner Sicht ein geeigneter Standort auf der Straße des Friedens. Mit dem KZ-Außenlager Roederhof und der friedlichen Übergabe der Stadt am Ende des zweiten Weltkrieges wären passende geschichtliche Bezüge gegeben. Etwa zur Osterzeit 2012 will ich den Künstler Rudolf Kaltenbach kennenlernen, verabredet wird ein Treffen im Berliner Ortsteil Buch, in dem sein Atelier besteht. Ich erfahre auch, dass die Skulpturen von „Steine ohne Grenzen - VIII“ in Bernau in verschiedene Parks verteilt, beschildert und diese Orte offiziell von der Stadt eingeweiht wurden. Zur Aufstellung der Skulpturen von „Steine ohne Grenzen - VI“ sind ihm im Jahr 2004 zwei Standorte angeboten worden und er hat sich für den Belziger Krankenhauspark entschieden. Welch ein Glücksfall für unsere Stadt! Die Aufstellung im Krankenhausgelände haben Herr Ewald Mattes (REXGRANIT) und Dr. Manfred Heßler (Chefarzt im seinerzeitigen Kreiskrankenhaus) abgesprochen. Ich äußere den Gedanken, eine Skulptur nach dem Bernauer Beispiel von Jugendlichen unter seiner Anleitung verwirklichen und von der Stadt mittragen zu lassen. Rudolf Kaltenbach stimmt dem zu. Bevor er dann zur Sichtung möglicher Skulpturenstandorte nach Bad Belzig kommt, scheiden einige aus: der Krankenhauspark, weil der seinerzeitige Betreiber keine Möglichkeit sieht, einen direkten öffentlichen Zugang von der Niemegker Straße herzustellen. Die Freifläche an der Schlossstraße Ecke Bahnhofstraße ist nach Meinung der Stadtverwaltung als Standort zu problematisch. Die Freifläche vom Jugendzentrum Pogo an der Berliner Straße (heute Villa Koreuber) verschwindet von der Agenda, weil die grundhafte Neugestaltung der Grünfläche zu den Akten gelegt wurde. Als Standorte verbleiben der Vorgarten vom Fläming Gymnasium an der Ernst-Thälmann-Straße und die Freifläche der Gedenkstätte Roederhof vom ehemaligen KZ Außenlager Ravensbrück am Grünen Grund.
Für Rudolf Kaltenbach ist der Skulpturenstandort in der Nähe der Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus prädestiniert. Ende 2013 übergebe ich der Stadtverwaltung die Federführung für das Projekt, dessen Realisierung zum Jahr 2015 angestrebt wird, weil geschichtliche Bezüge bestehen: 70 Jahre Ende 2. Weltkrieg und 200 Jahre Wiener Kongress mit dem Beschluss, dass u.a. auch Belzig aus dem sächsischen in das preußische Hoheitsgebiet wechselt. Aus all diesen Gründen saß ab 1943 die für sämtliche Nachrichtenverbindungen des Heeres, der Marine und der Luftwaffe verantwortliche Abteilung des Wehrmachtsführungsstabes auf Schloss Wiesenburg, und ein großer Teil des technischen Personals war in Schmerwitz untergebracht. (…) Zählt man die genannten Fakten zusammen, dann stand es um die weitere Existenz Belzigs Mitte April äußerst schlecht. Denn am 16. April, (…)machten die Amerikaner vor Zerbst mit ihren Bodentruppen kurz Halt und forderten eine Bomberflotte an, die Zerbst, das ,,anhaltinische Rothenburg", binnen weniger Minuten zu 80 Prozent zerstörte. Im Falle von Widerstand der soeben formierten ,,Armee Wenck" im Raum Belzig hätte unsere Stadt ohne Zweifel dasselbe Schicksal ereilt. (…) Und was erwarteten oder besser, was befürchteten die Belziger in jenen Tagen? Sie hatten Angst, die Sieger könnten der alttestamentarischen Maxime ,,Auge um Auge, Zahn um Zahn" folgen. Und das verhieß Schlimmes. Denn die meisten hatten von Soldaten der Ostfront erfahren, dass die Wehrmacht, - wohlgemerkt die Wehrmacht und nicht die SS – 1941 und 1942 Millionen sowjetische Kriegsgefangene systematisch hatte verhungern lassen. Wer Augen und Ohren nicht absichtsvoll verschloss, wusste auch vom Massenmord an den Juden Europas, selbst wenn einzuräumen ist, dass die Methoden industrialisierter Ausrottung in Auschwitz, Maidanek, Sobibor und andernorts den meisten damals noch nicht bekannt waren. Und schließlich war den Belzigern klar: Angesichts des Zwangsarbeiterlagers der Munitionsfabrik Roederhof und vollends wegen des Frauen-Konzentrationslagers unmittelbar am Stadtrand, würden sie nicht behaupten können, sie hätten nichts gewusst. Bedenken wir diese Lage, dann kann die mutige Tat unserer Ehrenbürger, des Lehrers Artur Krause und des katholischen Pfarrers Erich Tschetschog, sowie weiterer entschlossener Bürger Belzigs Anfang Mai 1945 nicht hoch genug gewürdigt werden. Artur Krause kam im April nach Belzig. Er fand seine Familie nicht mehr lebend vor. Doch er gab nicht verzweifelt auf. Am 1. Mai beriet er mit Genossen der KPD und der SPD im Alten Ratskeller in der Wiesenburger Straße, was zu tun sei und versuchte, gemeinsam mit Pfarrer Tschetschog, den Stadtkommandanten zum Abzug zu bewegen, um bewaffneten Widerstand gegen die Sowjetarmee zu unterbinden. Trotz dessen Zurückweisung rief Krause aus dem Fenster des Rathauses die Belziger dazu auf, weiße Fahnen zu hissen. Tschetschog, Krause und all jene, die zuerst solche Fahnen vor ihren Fenstern zeigten, handelten unter Lebensgefahr. Wichtig ist, zu erwähnen, dass Artur Krause und Erich Tschetschog Kontakt zu den Zwangsarbeitern des Roederhoflagers aufnahmen. Am 2. Mai hatte die Kommandantur dann Belzig verlassen und an den meisten Häusern, auch vom Burgturm, wehten nun die Zeichen der Kapitulation. Am Nachmittag des folgenden Tages gingen Krause und Tschetschog, gemeinsam mit anderen, in der Niemegker Straße dem ersten sowjetischen Spähwagen entgegen und übergaben die Stadt. Der Kommandeur soll „überrascht reagiert" haben. Das ist sicher so gewesen. Denn was hatten Marschall Konews Soldaten seit der Aufstellung der I. Ukrainischen Front bei Woronesch 1942 anderes gesehen und erlebt, als verbrannte Erde, tote Kameraden und fanatischen Widerstand des Gegners. Diese kampflose Übergabe war eine seltene, unerwartete Ausnahme. Wir hüten mit der Erinnerung an ihre Helden einen wertvollen Schatz. Sie haben in finsterster Zeit einen Beitrag zur Verteidigung der Ehre unserer Nation geleistet. Dies Vermächtnis ist verpflichtend.
Gerd Pohl
Nach militärischen Auseinandersetzungen zwischen dem siegreichen Preußen und dem unterlegenen Österreich wurde in Prag der Frieden von 1866 beschlossen. In seiner Funktion als Schulinspektor veranlasste Diakonus Albert Baur lt. Zauch-Belziger Kreisblatt 13. Jahrgang 1866, 17. Nov., Nr. 46, S. 363, dass die Lehrer mit ihren Schulkindern und eine große Volksmenge unter den Klängen der Musik am 12. November 1866 zum Schützenplatz (dem Grundstück des künftigen Kulturzentrums) zogen, wo fünf Friedenseichen gepflanzt werden sollten. Nach Absingen des Liedes „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“, hielt Albert Baur eine Ansprache, die gewiss ihren Zweck nicht verfehlt haben wird, etwa folgenden Inhalts:
Den großen Taten Gottes ein bleibendes Gedächtnis zu stiften, das ist der Gedanke, der uns hier vereinigt, darum pflanzen wir diese Friedensbäume. Eichen wählen wir dazu. Wie sie langsam wachsen, so deuten sie darauf, dass wir langsam uns emporgerungen aus der Zerfahrenheit und Befehdung zu diesem Frieden. Wie die Eichen tiefwurzeln und Jahrhunderte dauern, sollen sie die Träger des Gedächtnisses an diese großen Tage sein von Geschlecht zu Geschlecht. Die Eiche streckt sich und trägt ihre Krone auf den mächtigen Ästen gen Himmel empor, so ist sich der Deutsche seines Gottes bewusst in seinem kräftigsten Tun und Werke, und weiß, dass allein vom Himmel Segen und Gedeihen kommen zu gutem Werk. So flehen auch wir zum Himmel um Gottes Segen und Erhaltung des Friedens, zum Gelingen unseres Werkes. Euer Werk, euer aller Werk soll diese Pflanzung sein, ein jeder soll seinen Spaten voll und seine Hand voll Erde beitragen; so tretet denn heran alle, Klasse für Klasse und pflanzt eure Bäume!
Darauf traten alle 700 Schulkinder hinzu und warfen jeweils einen Spaten oder eine Hand voll Erde auf die Wurzeln der Eichen.
Weiter sagte Albert Baur in seiner Ansprache: Wir pflanzen sie an der Stätte, wo alljährlich Belzigs Bürger ihre Volksfeste feiern, auf dass ihr in folgenden Jahren bei aller Lust und Freude daran gedenkt: der mit Blut errungene Friede ist die Grundlage zu allem fröhlichen Gedeihen des Volkes.
Der 1866 beschworene Friede hielt nicht lange. Heute wissen wir, dass Preußen und Frankreich sich gegenseitig provozierten bis Frankreich sich veranlasst sah, am 19.7.1870 Preußen den Krieg zu erklären. Nachdem etwa 140.000 französische und 45.000 preußische Soldaten gefallen waren, wurde ein Waffenstillstand vereinbart und am 18. Januar 1871 erfolgten im Spiegelsaal von Versailles die Proklamation des preußischen Königs zum Deutschen Kaiser und in Verbindung damit die Gründung des Deutschen Reiches. Die nationale Begeisterung des Volkes für das neu gewonnene Reich überdeckt die tiefen Gegensätze zwischen Bismarck und der seit 1848 existenten liberalen Bewegung.
An den Frieden von 1871 wurde in Belzig wiederum mit einem Friedensfest gedacht. Lt. Zauch-Belziger Kreisblatt 18. Jahrg. 1871, versammelte man sich am Nachmittag am Schützenhaus zu einem großen Festumzug durch die Stadt zum Marktplatz. Dann begab sich der Festzug in die Kirche und Albert Baur hielt eine Predigt, indem er allen dankte, die für das Vaterland ihr Leben gelassen hatten. Danach ging es zurück zu dem Platz, an dem fünf Jahre zuvor die Schüler Friedenseichen gepflanzt hatten und Albert Baur nahm die Weihe der mit bunten Bändern geschmückten Friedenseichen vor. Am 10.3.1875 errichtete die Stadt Bad Belzig auf dem Schützenplatz ein Denkmal für die, die 1870/1871 starben. Albert Baur hielt die Festrede und endete mit den Worten: „So fallen denn die Hüllen, damit Stein und Friedenseichen reden!“ (Chronik der Stadt Bad Belzig – 1871 bis 1893, Helga und Günter Kästner, S. 31).
Albert Baur kannte die Leiden, die kriegerische Auseinandersetzungen hervorgerufen haben. Als Schüler half er seiner Mutter im Lazarett verletzte Soldaten gesund zu pflegen und als Pfarrer in Belzig nahm er im August 1866 einen in Brünn stark erkrankten Soldaten zur Pflege auf, bis er nach drei Wochen abgerufen wurde, nachzulesen im Buch „Albert Baur - ein Lebensbild“ von Hans Gerber, Freiburg 1971.
Albert Baur wusste um die Sehnsucht der Menschen nach einer friedlichen Welt, auch wenn diese Sehnsucht durch Hass und Gewalt immer wieder gestört wird, weil die Verführbarkeit der Menschen nicht endet. Es wird immer mannigfache Gründe geben, dass Menschen und Völker gegeneinander zu Felde ziehen. Mit dieser bitteren Erkenntnis hat auch der Theologe Albert Baur gelebt und die Hoffnung auf einen langlebigen Frieden nicht aufgegeben.
Klaus Pomp
Ohne "Steine ohne Grenzen" wäre unser Projekt nicht real Das internationale Bildhauersymposium „Steine ohne Grenzen - für Frieden und Menschlichkeit“ wurde im Jahr 2001 von den Berliner Bildhauern Rudolf Kaltenbach und Silvia Fohrer begründet und begeht im Jahr 2021 mit 12 Symposien und der Erstellung von vier Denkmalen für die Opfer des Nationalsozialismus sein 20. Jubiläum. Das Symposium ist eine von mehreren seit 1971 in Europa entstandenen Initiativen, Projekten und Symposien, die die „Straße des Friedens-Straße der Skulpturen in Europa“ im Sinn von Otto Freundlich realisieren helfen, um ein Zeichen zu setzen für Völkerverständigung und Toleranz, gegen Hass, Gewalt und Krieg. 2017 schufen Silvia Fohrer und Rudolf J. Kaltenbach eine Skulptur für den Geburtsort von Otto Freundlich in Slupsk/Polen, welche für Versöhnung und für den Europäischen Gedanken steht. Am 2.6.2021 erhielt Rudolf Kaltenbach das von Frank-Walter Steinmeier verliehene Bundesverdienstkreuz an Bande. Wir sind froh und glücklich, dass unser gutes Gefühl für diese Künstler uns nicht getäuscht hat, die uns geholfen haben, trotz des einen oder anderen Rückschlags, der einen oder anderen Enttäuschung auf der Straße des Friedens im Sinne von Otto Freundlich weiterzugehen.
Gerd Pohl
Was Menschen aus Bad Belzig durch das Projekt in die Zukunft mitnehmen können
Die Bad Belziger BürgerInnen können in Anlehnung an die Worte von Götz Dieckmann stolz sein auf
- ihre zivilcouragierten Vorfahren Artur Krause (Lehrer) und Erich Tschetschog (katholischer Pfarrer) am 3.5.1945;
- diejenigen aus der Mitte der Bad Belziger Gesellschaft, die in den vergangenen 30 Jahren in den von der Zivilgesellschaft, von christlichen Glaubensgemeinschaften und den vom Belziger Forum e.V. unterstützten Arbeitskreisen und Initiativen persönlich gegen Gewalt und Hass, durch Worte und Taten immer wieder zu den Ufern einer friedvollen und gerechten Gesellschaft aufgebrochen sindl;
- die 32Jugendlichen von der Krause Tschetschog-Oberschule und vom Fläming Gymnasium und die sie unterstützenden Lehrerinnen und Lehrer, die bereit waren neue Erfahrungen anzunehmen.
Seit gut 400 Jahren wissen die Menschen, dass ihre Erde nicht den Mittelpunkt des Sonnensystems bildet. Vielmehr bewundern wir das naturgesetzlich kosmisch existente Gleichgewicht unendlich vieler Körper, Teilchen, Energieformen im Universum. Dementsprechend kann sich die Welt nicht um die Meinung eines einzelnen Menschen oder einer kleinen Gruppe von Menschen drehen. Kosmisch wirkende Kräfte kommen in den Kunstwerken von Otto Freundlich wunderbar zum Ausdruck, z.B. in dem 1919 erschaffenen Wandmosaik „Die Geburt des Menschen“, zu sehen im Foyer des großen Hauses der städt. Bühnen Köln. Aus Ehrfurcht vor der Bedeutung des Erhalts einer möglichst großen Vielfalt an Leben auf unserer Erde müssen wir unsere Meinungen in das Leben einbringen und andere Meinungen zulassen. Nur umfassender Gedankenaustausch und offene Kommunikation - ohne Hass und ohne Gewalt gegen Andersdenkende – helfen uns, die Regeln für ein vernünftiges Zusammenleben immer wieder aufs Neue und dynamisch zu verbessern. In Deutschland auf der Grundlage des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.
Gerd Pohl
Abbild aus Schicksale, Bd. 4, S.29
Otto Freundlich, Die Geburt des Menschen von 1919 im Foyer des Großen Hauses der städtischen Bühnen in Köln
s. auch Museum-ludwig.de Ausstellung Otto Freundlich
Otto Freundlich, Ascension von 1929